Aktien & Steuern

"Die Hälfte der Menschen in den Industrieländern lebt nicht von Arbeit, sondern von Spekulation." Diese Aussage ist sicherlich richtig. Ob Handel oder Börse, ob Sparen oder Grundstückseigentum - es wird mit der Wertsteigerung spekuliert oder das Geld, eigentlich etwas Neutrales, wird seinerseits zum Handels- und Spekulationsobjekt. Richtig ist aber auch: "Der Staat lebt zu 100 Prozent von Abgaben, die er den Bürgern abverlangt und die bestenfalls zu großen Teilen wieder in die Volkswirtschaft zurückfließen." Tja, das liebe Geld und die heißgeliebten Steuern - ein ewiges Thema, um nicht zu sagen, ein immerwährendes Drama - oder Chaos.

 

Die Stadt hat kein Geld. Macht nichts. Dann leiht sie sich welches. Von der Bürgern. Die haben auch keins.

1928, die Inflation ist überstanden, die Wirtschaft floriert nicht so recht. Kein Wunder, dass die Stadt nicht genügend Steuereinnahmen, aber recht große Belastungen hat. Genau wie heut. Also leiht sie sich welches von den Bürgern und verspricht Rückzahlung. Anders als heute.

Druck: Sam Lucas, Elberfeld

 

Steuern

So gings früher: Man konnte Steuern auf dem Postamt einzahlen und bekam Quittungsmarken dafür. Wie bei der Versicherung, der Gewerkschaft - oder beim Konsum die Rabattmarken. Doch der Staat vergab tatsächlich auch Steuerrabatt:

 

 

Ein Dokument nicht aus Solingen, aber auch hier war es nicht anders: Das Postamt 17, Hühnerposten 1 (nun, den gab es in der Klingenstadt nicht, aber die Post war ja nahe am Entenpfuhl, immerhin) verkaufte Steuermarken und stempelte diese ordnungsgemäß ab.
Ohne Stempel bekanntlich keine Obrigkeit, ohne Obrigkeit keine Steuern und ohne Steuern keine Post. Aha, deshalb.

Behörden können nicht mit Geld umgehen


Solinger Morgenpost, 27. 1. 05

 

Da tritt doch der Finanzbeamte Plett wieder mal den Beweis an: hätte das Amt an der Goerdeler Straße auch nur einen Funken Sinn für Verantwortung, ja, es gäbe doch das ganze schöne Geld, das wir hier in Solingen sammeln, nicht irgendwo ab, wo man bekanntermaßen ja doch nicht mit umgehen kann. Mit Mut und Geschick müssten sich die Steuerknechte nicht gefallen lassen, selbst so ausgeraubt zu werden, wie es die Steuerpflichtigen längst gewohnt sind .... Also, wehrt Euch, Finanzämtler! Sonst haut Euch die Lewerfrau beim nächsten Zöppkesmarkt einen auf den Kopf.
 

Während unsereiner Schulden auf eigene Rechnung und Gefahr machen muss, bekommt die Stadt-Sparkasse Solingen vom Arzt eine Schuld mit 8 1/2 Prozent Wirkstoffanteil verschrieben.

 

 

Druck R. Oldenbourg München

Aus jünger Zeit (Endzeit der DM) stammt die Aktie der Saltus Technology AG, noch heute existent und weltberühmt für die Drehmomentschlüssel, mit denen man (auch elektronisch) die Kraft voreinstellen kann, mit der man z.B. Schrauben andreht. Rechtzeitig aufhören, solche Drehmomentschlüssel sollte es auch für die Politik und die ganze Finanzwelt geben ...

 

Druck: Schleicher & Schueel, Einbeck

Grossmann ist eine der letzten verbliebenen Metall-Großunternehmen in Solingen (Wald) und sagt über sich selbst auf der Website:

"Carl Grossmann gründete 1853 seinen Handwerksbetrieb. Seither haben in der ältesten Stahlgiesserei Deutschlands Generationen von Mitarbeitern kontinuierlich Arbeitsverfahren verbessert, Materialien optimiert und Herstellungsprozesse beschleunigt. Neben diesen unbezahlbaren Erfahrungswerten setzen wir modernste Methoden wie Produktionssimulationen ein, um bei einer optimalen Qualität Zeit, Ressourcen und damit Kosten für unsere Kunden einzusparen."

 

Druck: Giesecke & Devrient, München

Und das ist auch eine Spezialität von Solingen, insbesondere Ohligs. Woanders brauen Brauereien Bier. Hier brauen sie Aktien: Aktien-Brauerei.

Hat ihnen aber auch nichts genützt, denn inzwischen ist die Marke völlig vom Markt verschwunden. Ohligs trinken eben nur Bier, keine Aktien.

Druck R. Oldenbourg München

 

 


 

Der Siegen-Solinger Gussstahl-Aktien-Verein betrieb eine Gießerei am großen Platz zwischen Heidberg und Weyersberg; dort, wo heute Sportplätze und der große Park- und Kirmesplatz ist. Früher endet auch die Eisenbahnlinie Ohligs-Solingen, so dass das Werk optimal angeschlossen war. Das Unternehmen beendete sich jedoch durch ein schleichende Insolvenz.

Das Unternehmen wurde 1872 gegründet, unter anderem von zahlreichen Solinger Fabrikanten. Im Jahre 1923 wurde, kurz nach der Emission, die Vorzugsaktie 1:100 abgewertet.

Die AG verfügte über ein Aktenkapital von 161,5 Mio Mark, der außer dem Stammwerk in Solingen etliche andere Unternehmen eigen waren. So Groß-Kayna, Stahl- und Eisenwerk Frankleben, Heyden&Käufer in Hagen, Weyersberg, Kirschbaum & Co. AG Solingen, Werkzeugfabrik Fried. Aug. Jahn AG in Gera und die Maschinenfabrik Bohn&Kähler, Kiel.

 

Faber'sche Buchdruckerei - Berlin

 

 

 

 

 

 

Das Unternehmen besass in Solingen umfangreiche Werkhallen, einen eigenen Güterbahnhof mit eigenen Loks und Wagen, fahrbare Laufkrane und galt als eine der bedeutendsten Eisengießereien des Bergischen Landes.

Dr. Hillers AG und die berühmten Hillers Pfeffermünz-Bonbons in der weißen Rolle. Eine Legende unter den deutschen Naschwerken. Das Unternehmen ist längst nicht mehr selbständig; heute werden in den Räumen der Hillers-Werke neben den tradierten Drops vor allem Gummibären gekocht, das Werk wurde von Haribo aufgekauft. Von Solingen aus treten viele der Bären ihren Weg in die Mägen hungriger Showmaster und übermüdeter Hotelbesucher an oder klumpen sich auf Kindergeburtstagen mit den Pommes Frites zusammen.

 

 

Druck: Friedrich Metzger, Solingen

1921 ausgegebene Inhaberaktie

 

 

Gründeraktie der Höhscheider Brauerei, ausgegeben im Juni 1898. 1904 wurde das Unternehmen in "Vereinsbrauerei Höhscheid" umbenannt, 1924 in Vereinsbrauer AG; bereits ab 1917 hatte jedoch die Brauerei Beckmann die Produktion übernommen und löste 1976 den Firmenmantel der AG auf. Heute befinden sich verschiedene Werkstätten und eine Disco im markanten Ziegelsteingebäude der Brauerei.

Druck: DuMont-Schauberg, Köln